Naturcoaching 

Vielleicht hast du bereits erlebt, dass du dich nach einem Spaziergang an der frischen Luft wohler fühlst, wenn es dir mal nicht so gut geht. Deine Gedanken werden gelüftet, dein Stresslevel wird heruntergefahren. 
Das hat seine Gründe. Hier erfährst du, was sich hinter Naturcoaching verbirgt.

Was bewirkt Naturcoaching und warum hilft es uns?

  • Selbstregulation und Stressreduktion: der Aufenthalt in der Natur wirkt nachweislich regulierend auf das autonome Nervensystem und reduziert Stressmarker 
  • Tiefe Selbstwahrnehmung: die Natur fördert Achtsamkeit und den Blick nach Innen 
  • Emotionale Integration: Gefühle werden nicht nur benannt, sondern im Kontakt mit der Natur verkörpert und bearbeitet 
  • Kreativitätsförderung: die Vielfalt natürlicher Muster öffnet den Blick und fördert lösungsorientiertes Denken 
  • Nachhaltige Verankerung: durch multisensorisches Erleben wird Veränderung nicht nur verstanden, sondern gefühlt und verinnerlicht 
  • Authentizität und Selbstverantwortung: die Natur wirkt nicht bewertend. Sie erlaubt eine Begegnung mit sich selbst jenseits sozialer Rollen 
  • Ganzheitlichkeit: Körper, Psyche und Kontext werden integrativ angesprochen 

Grundsätzliche Einsatzmöglichkeiten

  • Prävention bei Stress und Burnout
  • Die eigenen Ressourcen stärken
  • Ängste und Sorgen loslassen
  • Entscheidungen treffen
  • Mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen gewinnen

Das sagt die Wissenschaft

Über den größten Teil seiner Entwicklungsgeschichte war der Mensch eng mit der Natur verbunden. Es ist daher kein Zufall, dass auch unsere Psyche auf bewusster und unbewusster Ebene auf die Natur reagiert. In der Natur finden wir Entspannung, Faszination und Zufriedenheit. Warum ist das so?

Stress Reduction Theory (SRT)

Stress ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf äußere Reize. Nur wenn diese Reize als überfordernd und bedrohlich wahrgenommen werden, entsteht negativer Stress. Die Natur bietet uns einen Weg Stress abzubauen. Dies belegen zahlreiche Studien. 
Die psychoevolutionäre Theorie nach Roger Ulrich (1991) ist eine davon. Sie besagt, dass der Anblick bestimmter visueller Reize in der Natur – wie moderate Komplexität, Übersichtlichkeit, offene Räume, erkennbare Muster, natürliche Elemente (Pflanzen, Wasser) – evolutionsbedingt positive Gefühle und Entspannung in uns hervorruft. Diese Reize signalisieren unserem Unterbewusstsein Sicherheit. Die Betrachtung von Naturszenen führt daher zu positiven Emotionen und wirkt regenerierend.

Zum vertiefenden Nachlesen: 
Ulrich, R. (1984). View through a window may influence recovery from surgery. Science, 4647, 420–421.

Attention Restoration Theory (ART)

Die Theorie geht auf Rachel Kaplan & Stephen Kaplan (1989) zurück. Im Zentrum der Theorie steht die Aufmerksamkeit. Die Forscher unterscheiden zwischen der gerichteten (effortul) und ungerichteten, mühelosen (effortless) Aufmerksamkeit. Die Natur eignet sich zum Regenerieren der Aufmerksamkeitsfähigkeit, weil sie Interesse weckt ohne gerichtete Aufmerksamkeit zu erfordern. 
Sie arbeiten vier Merkmale heraus, die in der Natur vorliegen sollte, um zu einer Regeneration der Aufmerksamkeitsfähigkeit zu führen.
1. Das Gefühl des Entrückt seins - also eine Umgebung, die uns gedanklich und räumlich aus unseren alltäglichen Routinen holt. Zentral ist das subjektive Empfinden, nicht die räumliche Distanz. 
2. Sanfte Faszination - Umgebungen, die unsere Aufmerksamkeit mühelos fesseln, fördern Erholung. Unaufdringliche Landschaften und Kulissen ziehen uns in ihren Bann ohne eine aktive Konzentration zu erfordern. 

3. Das Erleben von Weite und Ausdehnung - Eine erholsame Umgebung vermittelt ein Gefühl von Weite und Ausdehnung. Sie erscheint als eine in sich stimmige Welt, in die wir eintauchen dürfen. 
4. Die Übereinstimmung mit unseren Bedürfnissen -  Wir erholen uns am besten in Umgebungen, deren Gegebenheiten unseren aktuellen Bedürfnissen entgegenkommen. Das bedeutet, dass wir in der natürlichen Umgebung das finden, was wir gerade brauchen.

 
Zum vertiefenden Nachlesen: 
Kaplan, R. S. (1984). The evolution of management accounting. Readings in accounting for management control, 586-621.